Moments – EINE GESCHICHTE DER PERFORMANCE IN 10 AKTEN – Expo at ZKM
Moments - EINE GESCHICHTE DER PERFORMANCE IN 10 AKTEN

Moments. Eine Geschichte der Performance in 10 Akten ist eine Live-Ausstellung zur Geschichte und zum Verhältnis von Tanz, Performance und bildender Kunst. Über die gesamte Ausstellungsdauer hinweg werden Live-Acts gezeigt. Das Projekt erarbeitet und präsentiert vor und mit dem Publikum neue Formate und Methoden einer aktiven Darstellung von Performance-Geschichte im Museum. Thematisch im Zentrum von Moments steht die „heroische“ Periode der Performancegeschichte, die 1960er- bis 1980er-Jahre, und hier explizit Performance von Frauen. In diesen beiden Jahrzehnten fand eine radikale Neudefinition des Genres in einem engen Dialog performativer Bewegungen im zeitgenössischen Tanz und in der bildenden Kunst statt. Insbesondere Künstlerinnen beider Sparten überschritten bewusst die Genregrenzen und reflektierten dabei in gesellschaftspolitischem Zugriff männliche Blickkonstruktionen sowie die Gestenlogiken ihrer Kollegen. Über die Möglichkeiten der Darstellung dieser historischen Performances, des Abwesenden, des vergangenen Ereignisses, ist jüngst eine ebenso spannende wie kontroverse Debatte entbrannt. Moments stellt den musealisierenden Formaten der Re-Konstruktion von Performance neue Formen einer aktiven Weiterinterpretation von Geschichte entgegen.

Die Ausstellung baut sich in vier Phasen auf, in denen jeweils andere Akteure im Ausstellungsraum agieren:
Die Autorinnen und Akteurinnen bedeutender Performances der historischen Periode – Marina Abramović, Graciela Carnevale, Simone Forti, Anna Halprin, Lynn Hershman Leeson, Reinhild Hoffmann, Channa Horwitz, Sanja Iveković, Adrian Piper, Yvonne Rainer – dokumentieren, interpretieren und präsentieren in der ersten Ausstellungsphase ihre historischen Performances zum Teil selbst in spezifisch von ihnen gestalteten Ausstellungsdisplays. In einer zweiten Phase entwickelt eine Gruppe jüngerer Kollegen unter Leitung des renommierten französischen Choreografen Boris Charmatz live in der Ausstellung einen szenischen Akt um die zehn zentralen Momente der Performancegeschichte. Die Filmemacherin Ruti Sela wird diese künstlerische Annäherung der jüngeren Generation an die Performancegeschichte ihrer Vorgängerinnen dokumentieren und diesen Film in der dritten Phase im Ausstellungsgeschehen produzieren. Eine Gruppe Studierender bedeutender europäischer Hochschulen wird – in Funktion der „Zeugenschaft“ – den gesamten Prozess begleiten und unter Anleitung der Gruppe um Boris Charmatz sowie in Zusammenarbeit mit der ZKM | Museumskommunikation neue performative Methoden und Aktionen der Vermittlung historischer Performance an die Besucher entwickeln.

Die Ausstellung beginnt und endet dabei im leeren Museumsraum. Es baut sich, in einer Wechselbewegung zwischen Geschichte, medialer Dokumentation und Neuinterpretation, zwischen Zeugenschaft und Erinnerung – direkt vor den Augen des Publikums – ein neuartiges Ausstellungsformat auf. Zwischen dem Museums-Display und den interpretativen Akten der anwesenden Akteure, zwischen Performern, Zeugen und Publikum entstehen eine Vielzahl von dialogischen Situationen: die über Dokumente und installative Arrangements dargestellte, absente historische Performance und ihre in der Realzeit des Projekts aktivierten Spuren sind dabei die eigentlichen Darsteller dieses Projektes – die „Moments“.

 

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